Das Köln Ding der Woche - "Der Treue Husar", ein Lied zwischen Trömmelche und Tränchen

Shownotes

Wir sind mitten im Karnevalsendspurt. Und aus jeder Kneipe erklingt kölsche Musik. Dabei wird mit Sicherheit auch das Lied vom "Treuen Husar" gespielt. Bei dem schmissigen Marsch singen alle gerne lauthals mit - aber immer nur die erste Strophe. Nahezu unbekannt ist, dass das Lied elf weitere Strophen hat und im wahrsten Sinne des Wortes todtraurig ist: Der besungene Husar kommt gerade noch rechtzeitig, um sich von seiner auf dem Sterbebett liegenden Liebsten zu verabschieden. Die ganze Geschichte dazu erzählen Frank und Uli dir in diesem Köln-Ding der Woche.

Wir wünschen dir vell Freud und uns allen einen fröhlichen, bunten und friedlichen Fastelovend.

Links „Der treue Husar“ – ein Lied zwischen Trömmelche und Tränchen https://www.koeln-lotse.de/2025/09/19/der-treue-husar-ein-lied-zwischen-troemmelche-und-traenchen/

Der „Treue Husar“ in der Version der Bläck Fööss https://youtu.be/TacNev4wdmQ

Die Produktion dieses Podcasts erfolgte durch YM Audio Productions https://www.ym-productions.de/

Transkript anzeigen

00:00:10: Auf den letzten Karnevalsmetern begrüßen wir euch vom Kölnding der Woche zur Sessionsabschlussfolge oder Einstiegsfolge, denn wie wir fast laufen ist mal gerade so vorbei und heute könnt ihr uns entspannen zwischen Aspirin, Rollmops und einem Konterbier.

00:00:44: eine neue Folge von uns hören.

00:00:47: In drei Tagen ist Rosenmontag und ich wette, dass ihr heute von uns vorgestellte Lied mindestens noch dreitausendmal bis Aschermittwoch hören werdet.

00:00:56: Und jetzt begrüßt mit mir den Kapelmeister aus dem Williamsbau, die Tuschkanone und Meister der musikalischen Überleitung, Mr.

00:01:03: Schellebaum, der Uli.

00:01:05: Oh, wie schön, mir gegenüber

00:01:07: sitzt heute sehr bunt kostümiert, mit einer roten Nase und in vollem Ornat der treuen Husaren, der neu gepackene, frisch gepackene Treuerhusar Frank.

00:01:18: Er hat gestern geschafft, er ist gestern vereidigt worden, er ist jetzt ein echter Treuerhusar und Mitglied eines wirklich goldenen Traditionsgrößen, dir nochmal großes Kompliment.

00:01:30: Ja, ich muss den nur noch Bescheid sagen, dass er da so ist, aber die hören das ja jetzt.

00:01:35: Heute wollen wir über ein Lied sprechen, das wie immer bei uns einen doppelten Boden hat.

00:01:40: Denn wir schauen ja gerne mal tiefer in die Themen rein als die Null, zwei Liter von dem Kolschglas.

00:01:46: Es gibt ja Lieder, die alle kennen und Gedanken los mitsingen.

00:01:50: Aber den eigentlichen Ursprung oder Kontext, dem ist man gar nicht so bewusst.

00:01:54: Zum Beispiel, You Too Bloody Sunday.

00:01:58: Beschreibt ein Blutbad in Irland des Jahres neunzehntzehnhundersiebzig.

00:02:02: Oder Bruce Springsteen, born in the USA, ist ja eigentlich ein Abgesang auf den amerikanischen Traum der Arbeiterklasse und glasklare USA-Kritik.

00:02:12: Gut.

00:02:13: Von Bruce Springsteen zu Carnival Songs ist jetzt ein Megasprung, aber bei dem Lied, es war einmal ein treuer Housa, ist es vergleichbar.

00:02:21: Denn

00:02:21: hier

00:02:22: hören wir immer nur die erste Strophe.

00:02:27: Die erste Strophe lautet.

00:02:28: Es war einmal ein treuer Husar, der liebt sein Mädchen ein ganzes Jahr, ein ganzes Jahr und noch viel mehr.

00:02:33: Die Liebe nahm kein Ende mehr.

00:02:35: Bisschen eigentlich gut, kennt man.

00:02:37: Und ist so der Klassiker, den kann man so schön als Marsch singen.

00:02:43: Was aber schon auffällt ist, mit fastes Laufen, hättet ihr jetzt nix zu tun.

00:02:47: Da ist kein einziges Alarm und kein Humber-Täterät drin.

00:02:51: Karneval kommt da nicht vor.

00:02:53: Was aber noch viel gravierender ist, als diese Tatsache ist.

00:02:56: Dieses

00:02:57: heute schmissige Lied ist eigentlich ein sehr, sehr, sehr trauriges Lied.

00:03:02: Allerdings, wenn man nur die erste Strophe kennt, dann denkt man, jo, treuer Housa, liebe und jut ist.

00:03:07: Nein, das Lied hat insgesamt zwölf Strophen und dabei geht es um Liebe, Tod und viele Tränen.

00:03:14: Tatsächlich wird die große Liebe eines jungen Husaren besungen.

00:03:18: Husaren waren damals eine militärische Einheit, die auf zu fährt kämpfende Soldaten bestand.

00:03:24: Heute sind die treuen Husaren allerdings ein Traditionschor in Köln.

00:03:31: Dieser Junge im Lied, namenlose Housa, erhält die Nachricht, dass seine Liebste zu Hause totkrank ist.

00:03:38: Und entgegen jeder militärischen Geflogenheit meldet er sich nicht ab, sondern desertiert und schwingt sich auf sein Päd und reitet los.

00:03:45: Und dazu gibt es die Strophe.

00:03:47: Und als der Knab die Botschaft kriegt, dass sein Herzlieb am Sterben liegt, verließ er gleich sein Hab und Gut und wollte sehen, was sein Herzliebchen tut.

00:03:58: Er reitet also nach Hause, reitet zu seinem Mädchen und trifft die dann im Sterbebett an.

00:04:04: In dem Lied heißt es, grüß Gott, grüß Gott, Herzliebste mein, was machst du hier im Bett allein?

00:04:10: Sie antwortet, hab Dank, hab Dank, mein treuer Knab, mit mir wird's bald heißen, ab ins Grab.

00:04:15: Also das ist jetzt alles andere als lustig an dieser Stelle hier.

00:04:18: Und sie

00:04:19: stirbt

00:04:19: in seinen Armen.

00:04:21: Da heißt es nämlich, er nahmen sie gleich in seinen Armen, da war sie kalt und nimmer warm.

00:04:26: Und als das Merk gestorben war, da legt er es auf die Totenbar.

00:04:31: Also das hat somit fast so laufend immer noch ja nix zu tun.

00:04:35: Aber in Köln läuft ja vieles völlig anders.

00:04:38: Hier wird aus der tief traurigen Ballade ein Karnevalsmarsch.

00:04:42: Seit über hundert Jahren ertönt beim Schunkeln in der Kneipe auf den Karnevalssitzungen oder im Rosenmontagszug diese stark verkürzte Version des Liedes.

00:04:51: Besonders bekannt ist die sehr schmissige Version von Willi Milowicz.

00:04:56: Die kann jeder Karnevalist auch noch nach Fünfzehn Girls mitsingen.

00:05:00: Und dabei verkennen die Kölschen die ganze Tragik.

00:05:03: Dabei hat der treue Housa mit Köln

00:05:05: absolut

00:05:06: nichts zu tun oder sagen wir mal nicht viel zu tun.

00:05:09: Die Schwuren des Lides führen bis ins achzehnte Jahrhundert zurück.

00:05:12: Verschiedene Versionen finden sich in Volkslied-Sammlungen quer durch Deutschland und in meisten Versionen.

00:05:18: Hier wird auch keinen treuen Husa, sondern ein rote Husa.

00:05:23: Dieses Lied war also so allgemein gut.

00:05:25: Eigentlich wurde überall gesungen.

00:05:28: Erst ein gewisser Ernst Heinrich Franzen hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat, hat.

00:05:41: als vereinseigenden Büttenmarsch.

00:05:43: Und jetzt küttet.

00:05:44: Wir sind mal wieder gölschbescheiden an dieser Stelle.

00:05:46: Ich habe mal in die Chronik des treuen Husars reingeguckt und da lautet es, nineteenhundertsechstenzwanzig.

00:05:54: Mit dem ersten öffentlichen Auftritt der Husaren begann der weltweite Siegeszug des vereinseigenden Büttenmarschs.

00:06:01: Es war einmal ein treuer Husar, komponiert von Franzen.

00:06:04: Dessen Sohn Jupp Franzen schrieb später den heute geläufigen Text dazu.

00:06:08: Das heißt, aus Girl'n in die ganze Welt und das nur dank dem treuen Husa.

00:06:13: Gut, aber erst seitdem wird dieses Lied mit dem Karneval in Verbindung gebracht und eigentlich auch nur die erste Strophe.

00:06:22: Ein ganz besonderer Moment hatte das Lied allerdings am elften Juni, zwanzig, fünfundzwanzig erlebt.

00:06:28: Dem Karnevalsphilosoph Wolfgang Ölsner wurde an diesem Tag der Rheinland-Taler verliehen.

00:06:34: Eine bemerkenswerter Moment bei dieser Verleihung war die Dankesrede von Wolfgang Ölzner.

00:06:39: In dieser Rede präsentierte er die Anderswelt Karneval.

00:06:42: Ölzner erklärte darin auch, dass Karneval so viel mehr kann als Tra-la-la, er kann nämlich auch Substanz.

00:06:48: Und er erklärte dies am Beispiel des Lieds vom treuen Husar.

00:06:52: Dazu der Kölner Stellanzeiger.

00:06:54: Die wirkte Ose-Stadt-Kapelle schmetterte den Marsch, so wie ihn der Militär-Kapellmeister Heinrich Franz XIXIV komponierte.

00:07:03: Dann sang Ex-Black-Fürs-Sänger Kaffee Biermann mit der Band Knipschaff den kompletten Text des alten Volksliedes, so leise und fein arrangiert, dass manchen im Saal die Tränen kam.

00:07:15: So spürte jeder, was Oelsner meinte, wenn er vom Wechselbad der Gefühle berichtete, in dem Belancolli auf Lebenslust trifft.

00:07:23: Heute habt ihr zwei Möglichkeiten, den treuen Husar regelmäßig zu hören.

00:07:28: Die eine Möglichkeit ist, ihr geht ans siebenundvierzig Elfhaus in der Glockengasse.

00:07:33: Das Glockenspiel da spielt nämlich tatsächlich den treuen Husar, ist ohne Gesang nur der Töne.

00:07:39: Die zweite Variante ist, ihr kommt mit auf meine Kretziatur.

00:07:43: Ich habe nämlich eine Stadtführung, Gölzsche Kretziallien, Optelstrasse.

00:07:47: Und da reden wir auch intensiv über dieses Lied und ich spiele auch wesentliche Teile an.

00:07:53: Tatsächlich sind die Teilnehmer dann immer total geflecht, weil das kennt eigentlich keiner.

00:07:58: Ich habe bisher ganz wenige nur in den Führungen gehabt, die wussten, um was es geht bei diesem Lied.

00:08:04: Die kennen alle nur die Milowitsch-Version und die ist halt so ein bisschen rambatsammermäßig.

00:08:10: Jetzt habt ihr wieder was über den Karneval gelernt und beziehungsweise über ein Lied und das es doch wesentlich tiefer gehen kann, als man so gemeinhin meint.

00:08:20: Ich habe aber noch eine Frage zum Schluss.

00:08:24: Welche musikalische Legende hat das Lied gecovert und folgenden Text eingearbeitet?

00:08:31: While roaming around a little German town, we found this love song with a brand new sound.

00:08:37: Now, I don't speak German, so day by day, we wrote this lyrics in a uh-uh-uh way.

00:08:44: Variante, entweder was Presley oder es war Louis Armstrong.

00:08:48: Weil nämlich, ich hab das Lied, die Louis Armstrong Version, die spiele ich auch auf der Kretscher Tour, um mal dieses Swing-Version auch zu hören.

00:08:57: Ja, das ist vollkommen richtig, lieber Oli, du bist heute der Gewinner.

00:09:01: Weil Louis Armstrong vergeste den treuen Hosa, und das ist wirklich eine sehr, sehr schöne Version, die kann man sich auf YouTube übrigens angucken.

00:09:08: Die hat er in der Erzulliven Show gespielt, die damals, glaube ich, aus Berlin übertragen wurde.

00:09:15: Er hörte das Lied wahrscheinlich in den Kölner-Williams-Bau und veröffentlichte diese eigene Version in den Kölner-Williams-Bau.

00:09:25: Inklusive Charterfolg in Europa, England und den USA.

00:09:29: And by the way, let me say it, setch my way, tschüss zusammen!

00:09:42: Das war die neuste Folge vom Köln-Ding der Woche und ich hoffe es hat euch gefallen.

00:09:48: Wenn ja folgt uns auf Instagram und Facebook und auf TikTok, da sind wir unter das Köln-Ding zu finden.

00:09:57: Auch auf PolyG sind wir natürlich zu finden, weil es da unseren Podcast gibt und auf Spotify, Apple, RTL Plus, überall da wo es Podcast gibt.

Kommentare (1)

Karharina

‧
Kölle Alaaf, leeve Ulli, do määs Dinge Potklaaf richtich jot. Mer kann vill liere. Maach wigger esu! Je mih mer Resskölsche dunn, ömsu besser. Alsu noch ens, Kölle Alaaf un ne schöne Ressfasteleer. Hätzlije Jröss vum Tring

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